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    Rostlaube

                   Rost  in  Peace

 

 

 

In den Mooren von Niedersachsen haben vor vielen Jahren etliche Autos ihr feuchtes Grab gefunden.

Eine Suche nach Moorleichen der ganz besonderen Art. Die Abendsonne wirft ein sanftes Licht auf den alten Opel Olympia.

Traurig liegt er da,die rostigen Kotflügel von sich gestreckt, ein großes Loch klafft im Dach, aber dennoch thront

das weiße Dreispeichen-lenkrad majestätisch im Wrack,als würde es den voranschreitenden Oxidationsprozess völlig ignorieren.

Der Opel ist dicht umgeben von armdicken Birken;ein untrügliches Zeichen dafür, dass er schon länger hier steht.

Das Dorf Tarmstedt liegt in Niedersachsen, zwischen Bremen und Bremervörde, eine kleine Siedlung umgeben vom Hochmoor.

Noch immer wird hier Torf abgebaut, "gestochen", wie die Fachleute es nennen. Bis zu acht Meter tief wird gegraben,

um den Torf ans Tageslicht zu bringen. Da entsteht viel Platz, um sich von lästigen Dingen zu trennen. Zum Beispiel von Autos

Rund um Tarmstedt kann man etliche alte Wracks finden, mehr als 30 sind schon jetzt bekannt.

Doch die Suche nach den rostigen Moorleichen ist nicht einfach.

Alexandra Hannema, eine Niederländerin, die schon seit mehr als 15 Jahren in der Gegend lebt,

hat vor einiger Zeit zufällig ihre erste Moorleiche entdeckt: einen 1951er Käfer mit geteiltem Heckfenster, kurz "Brezel" genannt.

Seitdem ist die VW-Liebhaberin von dem Gedanken besessen, möglichst alle versenkten Schätze zu entdecken

und hat ein Suchschema entworfen, mit dem sie durchaus erfolgreich ist: Kleinere Dörfer am Rande der Moore sind ihre bevorzugten Ziele.

Direkt neben den Wegen, wo einst der Torf gestochen wurde, stehen die Chancen gut, eines der seltenen Autos zu finden, denn früher,

lange bevor es so etwas wie die Grünen gab, hat man sich gerade auf dem Land wenig Mühe mit der Entsorgung gegeben.

 

Zuletzt entdeckte Alexandra bei Glinstedt ein vermeintliches 55er Opel-Olympia-Cabrio, das sich bei näherer Betrachtung

als Kombi mit abgesägtem Dach entpuppte. Hier hatten offensichtlich einige jugendliche James-Bond-Fans ihren Spaß,

bevor sie den Wagen ohne Motor ins Moor schoben: Jemand hat mit einem Pinsel "007" auf den vorderen Kotflügel geschmiert.

Wenn im Winter die letzten Blätter von den Bäumen fallen und sich Bodenfrost ausbreitet, kann man gefahrlos auf Erkundung gehen.

Man hat nun freien Blick über die Moore und sieht die aufgesandeten Wege klar wie Dämme über die abgebauten Torffelder herausragen.

Im Sommer, wenn Laub die Sicht versperrt und die Mücken aggressiv zustechen, wird die Suche schon nach wenigen Minuten zur Qual.

"Im Sommer entdeckst du eine Moorleiche höchstens durch puren Zufall", erzählt Alexandra, "und du musst vorsichtig sein."

An vielen Stellen lauert neben den Wegen noch unberührtes Moor. Ein Fehltritt reicht aus, und man wird selbst zur Moorleiche.

Weniger gefährlich sind die giftigen Kreuzottern, die hier leben: Sie haben mehr Angst vor den Menschen als die Menschen vor ihnen.

Die ältesten Fundstücke wie etwa der Opel Olympia und ein BMW-V8 sind Anfang der fünfziger Jahre gebaut worden.

Die jüngsten Autos stammen aus den späten sechziger Jahren. Wenn man davon ausgeht,

dass ein Neuwagen in der Regel zehn bis 15 Jahre genutzt wird, hat die Entsorgung der Autowracks vermutlich

Mitte der Sechziger bis Ende der Siebziger stattgefunden.

Da die Entwässerungskanäle in diesen Gebieten nach wie vor funktionieren, blieben die Fahrzeuge weitgehend vom Wasser verschont.

Einige Autos stehen völlig frei, während andere bis zu einem halben Meter im Untergrund versunken sind.

 

Verschwunden sind meist auch ihre Vorbesitzer. Da die alten Halter mit der Entsorgung offiziell ihre Ansprüche aufgegeben haben,

gehören die Moorleichen nun dem jeweiligen Grundstückseigentümer, also entweder Privatleuten oder der öffentlichen Hand.

In einem privaten Moor in Hambergen fanden Alexandra und ihr Freund Maik einen relativ gut erhaltenen VW-T1-Bus Baujahr 1966.

Der Eigentümer meldete den Bus mit der "Blaupunkt"-Aufschrift 1976 ab und schob ihn kurzerhand ins Moor.

Nach einem kurzen Gespräch überlies der Moorbesitzer den beiden den Bus, inklusive Fahrzeugbrief.

Mit einer Seilwinde hievten Alexandra und Maik das Wrack aus seinem nassen Grab, bauten einen gebrauchten Motor ein

und machten Fahrwerk und Räder wieder gängig. Alles andere blieb exakt im Entdeckungszustand.

Auf Oldtimer-Meetings laden die beiden den Bus manchmal vom Trailer und drehen mit dem Wrack zum Erstaunen der Leute ihre Runden.

Der Unterboden ist zur Hälfte vom Rost zerfressen, und schon eine Vollbremsung könnte die automobile Ruine zum Einsturz bringen.

Die meisten anderen Fahrzeuge würden noch nicht einmal den Abtransport überleben.

Das ist auch Alexandra klar, und so lässt sie die Moorleichen dort, wo sie ihre letzte Ruhe gefunden haben.

Rost in Peace!

 

                                                                                                                                                                                                                                                                                    



Rusty Dreams by Alex ArtAlex Art  |  alex.art@telia.com